Projekt "DICHOT" der DNB

Das Projekt "DICHOT" der DNB befasst sich mit Usergenerated Content als Kulturerbe.

Interessant dabei ist, dass, spätestens in der Coronapandemie, viele Knabenchöre Socal Media verstärkt als Ausdrucksmöglichkeit für sich enteckt haben.

Knabenchöre sind traditionell stark an physische Räume (Internate, Kirchen, Konzertsäle) gebunden. Durch Social Media hat sich ihr Wirkungsraum erweitert – von lokal und institutionell hin zu global und jederzeit zugänglich.

Mit diesen Plattformen haben sich sogar einige ihre Existenz gesichert. Sie haben Ihre Mitglieder zum weitermachen motiviert, mit z. B. individuellen Videos, die zu Chorvideos zusammen gefügt wurden, aber auch nach der Pandemie blieb es ein Medium, dass es erlaubt das eigen Wirken darzustellen und neue Publikumskreise zu erschließen. 

Genau – das ist ein entscheidender Punkt, der oft unterschätzt wird. Was früher Programme, Schallplatten oder gedruckte Chroniken geleistet haben, übernehmen heute zunehmend digitale Inhalte.

Social-Media-Posts sind längst mehr als nur kurzfristige Kommunikation. Sie fungieren als zeitgenössische Primärquellen: Probenmitschnitte, Konzertankündigungen, Backstage-Einblicke oder virtuelle Chorprojekte dokumentieren nicht nur das Repertoire, sondern auch Aufführungspraxis, Besetzungen und sogar pädagogische Ansätze. Für die Forschung – etwa in der Musikwissenschaft – ist das ein enormer Gewinn.

Gleichzeitig entsteht daraus aber eine neue Verantwortung:

Warum Archivierung so wichtig ist:

  • Vergänglichkeit der Plattformen:
    Inhalte auf Instagram oder YouTube können gelöscht, verändert oder durch Algorithmen unsichtbar werden.
  • Fehlende materielle Sicherung:
    Im Gegensatz zu gedruckten Programmen oder Notenausgaben gibt es kein physisches „Backup“, das automatisch überdauert.
  • Historischer Wert:
    In einigen Jahrzehnten werden genau diese digitalen Spuren entscheidend sein, um zu verstehen, wie Knabenchöre im frühen 21. Jahrhundert gearbeitet und sich präsentiert haben.

Was daraus praktisch folgt:

  • Chöre brauchen systematische digitale Archivstrategien (z. B. strukturierte Speicherung von Videos, Metadaten, Besetzungslisten).
  • Kooperationen mit Institutionen wie Bibliotheken oder Archiven werden wichtiger.
  • Standards der Digital Humanities können helfen, Inhalte langfristig zugänglich zu machen.

Ein spannender Perspektivwechsel:

Früher war Archivierung oft rückblickend organisiert („Was bewahren wir auf?“).
Heute muss sie parallel zur Veröffentlichung mitgedacht werden („Wie sichern wir das, was wir gerade posten?“).

Damit wird Social Media paradoxerweise gleichzeitig das flüchtigste und eines der wichtigsten Gedächtnismedien für Knabenchöre.

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